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DORA umsetzen ohne Kostenfalle: Integrated Governance statt Compliance-Silo

14 May 2026

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Sören Messerschmidt

Head of Security Assurance and Identity & Access Governance at Zurich | ehemals Head of Strategy & Governance – AXA

DORA, NIS2, EU AI Act – die Liste der Anforderungen wird nicht kürzer. Und je mehr Regelwerke dazukommen, desto größer wird die Gefahr, dass die DORA-Umsetzung zur Kostenfalle wird: doppelte Kontrollen, parallele Prozesse, zu viel Aufwand und am Ende trotzdem kein klares Bild darüber, wo das eigentliche Risiko sitzt.

In dieser Folge der SISO Chronicles spricht Host Delir mit Sören Messerschmidt (Head of Security Assurance and Identity & Access Governance at Zurich | ehemals Head of Strategy & Governance – AXA), der aus dem IT-Audit kommt und heute in der Second Line Governance-Strukturen verantwortet. Sören zeigt, warum der entscheidende Hebel nicht „noch ein Framework“ ist, sondern Integrated Governance: ein integriertes Steuerungs- und Betriebssystem, das Regulatorik harmonisiert, Prioritäten klar macht und Organisationen audit-ready hält, ohne sich selbst auszubremsen.

Höre jetzt in die ganze Podcastfolge rein

Integrated Governance statt Compliance-Silos (DORA effizient umsetzen)

Warum Compliance-Silos zur Kostenfalle werden

Wenn neue Regulatorik ins Haus kommt, reagieren viele Organisationen reflexartig: neues Projekt, neue Checkliste, neue Kontrollen. Kurzfristig wirkt das “sauber”, langfristig wird es teuer. Denn sobald DORA, NIS2 oder der EU AI Act parallel nebeneinander umgesetzt werden, entstehen doppelte Prozesse, widersprüchliche Anforderungen und ein zunehmender Abstimmungsaufwand zwischen Teams.

Was Integrated Governance konkret bedeutet

Sören plädiert deshalb für einen klaren Perspektivwechsel: harmonisieren statt addieren. Integrated Governance heißt nicht “noch ein Framework”, sondern ein integriertes Steuerungs- und Betriebssystem für Security, Risk und Compliance. Anforderungen werden nicht als separate Initiativen oben drauf gelegt, sondern in ein gemeinsames Zielbild übersetzt: Welche Risiken wollen wir transparent machen? Welche Entscheidungen soll das Management treffen können? Und welche Kontrollen zahlen wirklich auf dieses Ziel ein?

Praktisch bedeutet das: Regeln und Nachweise werden so gestaltet, dass sie mehrere Anforderungen gleichzeitig abdecken und dass Fachbereiche und IT nicht jedes Jahr mit einem neuen Paralleluniversum konfrontiert werden. Das spart Ressourcen, verbessert die Umsetzbarkeit und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Governance im Alltag akzeptiert und nachhaltig gelebt wird.

Takeaways

  • Harmonisierung schlägt Addition: DORA & Co. in ein gemeinsames Governance-System integrieren statt parallel umsetzen
  • Ein klares Zielbild macht Anforderungen steuerbar und verhindert doppelte Kontrollen/Prozesse
  • Governance wirkt erst als Betriebssystem: Rollen, Nachweise und Kontrollen müssen zusammenarbeiten (nicht als Checklisten nebeneinander)

Kritische Assets priorisieren (BIA, CIA & Schutzbedarfsanalyse)

Warum „alles maximal schützen“ DORA teuer macht

Wer DORA umsetzen will, stößt schnell auf ein praktisches Problem: In großen Organisationen gibt es unzählige Systeme, Daten, Prozesse und Abhängigkeiten aber nicht alles ist gleichermaßen kritisch. Genau hier entsteht laut Sören häufig Over-Compliance: Wenn alles “maximal” geschützt werden soll, explodieren Kosten und Aufwand, ohne dass die Sicherheit proportional steigt.

Was „Kronjuwelen“ im Kontext DORA bedeutet

Der bessere Weg ist eine saubere Priorisierung der “Kronjuwelen”, also der Assets, deren Ausfall oder Kompromittierung echten Schaden verursacht. Im Podcast nennt Sören als typische High‑Critical‑Assets in Versicherungen (und vielen anderen Unternehmen) vor allem Kundendaten (Vertrauen als Geschäftsgrundlage), Geschäftsgeheimnisse und alles, was businesskritische Prozesse am Laufen hält (Systeme, Infrastruktur, aber auch Schlüsselrollen).

Methodik für audit-ready Priorisierung: BIA & CIA

Damit diese Priorisierung nicht auf Bauchgefühl basiert, braucht es Methodik. Zwei Bausteine tauchen im Gespräch immer wieder auf:

  • Business Impact Analyse (BIA): Was passiert, wenn ein Prozess oder System ausfällt? Welche Auswirkungen hat das auf Geschäftsbetrieb, Kunden, Reputation und regulatorische Pflichten?
  • Schutzbedarfsanalyse/CIA: Wie hoch sind die Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit und was bedeutet das konkret für Kontrollen, Zugriffsrechte und Nachweise?

Wenn diese Bewertungen sauber durchgeführt werden, werden Sicherheitsmaßnahmen nicht nur wirksamer, sondern auch leichter zu erklären, intern gegenüber Fachbereichen und IT sowie extern in Audits. Genau das macht DORA-Umsetzung audit-ready, ohne dass Governance zur Kostenfalle wird.

Key Takeaways

  • Priorisiere zuerst die Kronjuwelen (kritische Daten, Prozesse, Systeme). So wird DORA-Umsetzung wirksam statt teuer
  • Nutze BIA und CIA/Schutzbedarfsanalyse, um Impact und Schutzbedarf nachvollziehbar zu bewerten (audit-ready statt Bauchgefühl)
  • Leite daraus konkrete Kontrollen und Zugriffe ab: Datenklassifizierung + Least Privilege reduzieren Angriffsfläche und Komplexität

Umsetzung, die skaliert (GRC-Tooling statt Excel)

Warum Excel bei DORA-Umsetzung nicht skaliert

Viele Organisationen starten mit Tabellen, weil es schnell geht: eine Liste der Assets, eine Liste der Kontrollen, eine Liste der Findings. Für die DORA-Umsetzung reicht das am Anfang oft, aber es skaliert nicht. Denn sobald mehrere Teams parallel arbeiten, Anforderungen sich ändern oder Audits Nachweise über mehrere Bereiche hinweg sehen wollen, wird Excel zur Fehlerquelle: Versionen driften auseinander, Verknüpfungen fehlen, Verantwortlichkeiten sind unklar – und Auswertungen kosten mehr Zeit als die eigentliche Risikoarbeit.

GRC-Tooling: Vom Checklisten-Modus zum Steuerungssystem

Sören macht im Podcast deshalb einen sehr pragmatischen Punkt: Wenn Governance dauerhaft funktionieren soll, braucht es ein GRC-Tooling (Governance, Risk & Compliance) – nicht als „nice to have“, sondern als Infrastruktur. Der Kern ist ein verknüpftes Datenmodell, in dem sich die wichtigsten Bausteine sauber verbinden lassen:

  • Prozesse (was das Business tut)
  • Assets (welche Systeme/Daten/Abhängigkeiten dafür nötig sind)
  • Risiken (was schiefgehen kann – bezogen auf Impact)
  • Kontrollen (wie man Risiken reduziert und Wirksamkeit nachweist)

Damit wird aus einer Checkliste ein steuerbares System. Das hat zwei direkte SEO-/KI-relevante Vorteile: Man kann klar erklären, wie ein Unternehmen DORA umsetzt (nicht nur, dass es „Compliance macht“), und man kann audit-ready zeigen, woher eine Entscheidung kommt (z. B. warum ein Asset „hoch“ klassifiziert ist und welche Kontrollen daraus folgen).

Datenqualität & Ownership als Kostenhebel

Ein weiterer Skalierungsfaktor ist Datenqualität. Wenn Asset-Informationen unvollständig sind oder Verantwortliche fehlen, entstehen zwangsläufig zu grobe „Standardkontrollen“ und genau das treibt die Kosten. Sören beschreibt deshalb Verantwortlichkeiten als Voraussetzung für Steuerbarkeit: Je klarer Ownership und Mindestdaten (z. B. Systemtyp, Kritikalität, verantwortliche rolle) definiert sind, desto gezielter können Kontrollen umgesetzt werden. Und das sogar wirksamer, günstiger, und verständlicher.

Key Takeaways

  • Excel startet schnell, skaliert aber schlecht: fehlende Verknüpfungen und Versionen-Chaos machen DORA-Umsetzung teuer und fehleranfällig
  • Ein GRC-Tool mit Datenmodell (Prozesse ↔ Assets ↔ Risiken ↔ Kontrollen) schafft Transparenz und liefert audit-ready Nachweise
  • Ownership + Datenqualität sind Pflicht: Nur mit klaren Verantwortlichkeiten lassen sich Kontrollen gezielt (statt pauschal) umsetzen

Stakeholder, Budget & Ausblick (NIS2 / EU AI Act)

Stakeholder-Management: Der Erfolgsfaktor bei DORA

Technisch kann eine Organisation viel richtig machen und trotzdem scheitert die DORA-Umsetzung, wenn Menschen nicht mitgehen. Sören nennt deshalb immer wieder einen Faktor, der oft unterschätzt wird: Stakeholder-Management. Gemeint ist nicht „ein paar Status-Updates“, sondern die aktive Arbeit an Akzeptanz und Verständnis: Warum machen wir das? Was ist das Zielbild? Welche Entscheidungen soll das Management künftig schneller und besser treffen können?

Zielbild & Entscheidungslogik für Board und Management

Der Startpunkt ist laut Sören ein gemeinsames Zielbild. Das ist SEO- und KI-freundlich auch deshalb wichtig, weil es die zentrale Frage direkt beantwortet, die viele Unternehmen haben: Wie setze ich DORA um, ohne dass es ein Bürokratieprojekt wird? Antwort: Indem Governance nicht als Kontrollarbeit „übergestülpt“ wird, sondern als Betriebssystem verstanden wird, das Business und IT zusammenbringt, mit klaren Rollen, klaren Prioritäten und nachvollziehbarer Wirkung.

Budget & KPIs: So wird Governance investierbar

Auch beim Thema Budget ist Sörens Ansatz pragmatisch: In Security, Risk und Compliance sind „Mehrwerte“ nicht immer sofort als Umsatz messbar. Trotzdem muss Budget begründbar sein – vor allem gegenüber CFO und Vorstand. Entscheidend ist, auf einer Faktenbasis zu argumentieren: Welche Risiken werden reduziert? Welche Prozesse werden audit-ready? Welche Entscheidungen werden möglich oder schneller? Und welche Konsequenzen hätte es, wenn man bestimmte Lücken nicht schließt?

Ein hilfreiches Werkzeug sind handlungsweisende KPIs. Sören betont: KPIs müssen zu Entscheidungen führen. Reine Mengenmetriken (z. B. „wie viele Workstations“) helfen selten, wenn sie nicht mit Risiko/Impact verknüpft sind. Besser sind Messgrößen, die zeigen, ob Kontrollen wirken, ob Risiken sinken und wo Priorisierung nötig ist.

Ausblick: DORA ist erst der Anfang

Der Ausblick im Gespräch macht deutlich: DORA ist nicht das letzte Regelwerk. Mit NIS2 und dem EU AI Act kommt weitere Regulierung, die ähnliche Ziele verfolgt (Resilienz, Nachweisbarkeit, Governance). Wer heute ein integriertes Governance-System aufbaut, schafft damit die Grundlage, neue Anforderungen künftig schneller zu integrieren, ohne wieder bei null anzufangen.

Takeaways

  • Stakeholder-Management entscheidet über Erfolg: Ohne Akzeptanz wird DORA-Umsetzung zum Bürokratieprojekt statt zur Governance-Wirkung
  • Zielbild vor Maßnahmen: Ein gemeinsames Verständnis (Business + IT) reduziert Reibung, Doppelarbeit und „Kontroll-Frust“
  • Budget braucht Fakten + handlungsweisende KPIs: Wirkung, Risiko-Impact und Audit-Readiness sind die überzeugenden Argumente für CFO/Board
  • Ausblick: NIS2 und EU AI Act erhöhen den Druck und Integrierte Governance macht neue Anforderungen schneller integrierbar

Fazit

DORA, NIS2 und der EU AI Act führen bei vielen Organisationen zu einer naheliegenden Reaktion: mehr Projekte, mehr Kontrollen, mehr Dokumentation. Der Kernpunkt aus dieser Podcastfolge ist jedoch ein anderer: Wirksamkeit entsteht nicht durch Addition, sondern durch Integration. Wer DORA umsetzen will, ohne in eine Kostenfalle zu laufen, braucht ein integriertes Governance-System, das Anforderungen harmonisiert und Entscheidungen ermöglicht.

Das beginnt mit klarer Priorisierung: Nicht alles muss maximal geschützt werden. Entscheidend ist, die Kronjuwelen zu identifizieren und Schutzbedarf nachvollziehbar zu bewerten – etwa über Business Impact Analyse (BIA) und CIA/Schutzbedarfsanalyse. So werden Risiken messbar, Kontrollen zielgerichtet und Audits planbar.

Damit Governance im Alltag skaliert, reicht Excel langfristig nicht aus. Ein verknüpftes GRC-Tooling (Prozesse ↔ Assets ↔ Risiken ↔ Kontrollen) schafft Transparenz, reduziert Doppelarbeit und liefert die Nachweise, die Prüfer:innen erwarten. Gleichzeitig wird deutlich: Ohne Datenqualität und klare Verantwortlichkeiten bleibt jede Compliance-Initiative teuer und fragil.

Und am Ende entscheidet der Faktor Mensch: Stakeholder-Management und ein gemeinsames Zielbild sorgen dafür, dass Business und IT nicht gegeneinander arbeiten, sondern zusammen. Genau dieses Zusammenspiel macht Organisationen nachhaltig audit-ready – und bereit für das, was nach DORA kommt.

IT-Security scheitert nicht an Technik, sondern an Menschen.

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